Fotomontagen mit 3D-Modellierung (1) –
PS 3D, Cinema 4D, SketchUp oder Blender?

14.08.2020    

Das Bild mit dem Ufo gefällt mir nicht mehr. Die Form meiner Fliegenden Untertasse erinnert eher an einen Heißluftballon.

Ufo / 2019; Montage: L.Wiese; Fotos: ©bilanol – , ©Stefan Schurr – stock.adobe.com, L.Wiese

Das unbekannte Flugobjekt sollte wesentlich dynamischer wirken. Die Gelegenheiten zum Fotografieren eines Ufos sind jedoch leider sehr beschränkt. Was kann ich tun?

Ich hatte schon häufiger damit geliebäugelt, 3D-Modelle zu erstellen. Mehr als die Simulation von Schattenwürfen für meine Fotomontagen habe ich bisher aber nicht zustande gebracht. Jetzt ist also eine gute Gelegenheit, in das 3D-Design intensiver einzusteigen. Wird das aber nicht zu aufwändig? Finde ich eine geeignete Software? Sieht ein 3D-Objekt nicht zu künstlich aus und fügt sich damit nur sehr schlecht in ein Foto ein?

Vor drei Jahren hatte ich das spacige Futuro-Haus vor der Pinakothek der Moderne in München fotografiert. Im Jahr 1968 konstruierte der finnische Architekt Matti Suuronen diese Zukunftsvision des Bauens. Ungefähr 70 Exemplare wurden gebaut, von denen noch 60 erhalten sind.

Futuro-Haus / 2017

Der Aufwand für die Fotomontage mit dem Futuro-Haus war auch nicht gerade gering. Ich musste das Gerüst entfernen, auf dem das Haus steht. Unten baute ich eine Einstiegsluke ein. Ich säuberte die Oberfläche, passte Tonwerte und Farben an den Hintergrund an und schaltete das Licht ein.

Ich motiviere mich jetzt mit der Aussicht, dass dieser Anpassungs- und Reparaturaufwand bei einem 3D-Objekt entfällt. Stattdessen muss ich mich aber zunächst mit einer ganz anderen Frage beschäftigen. Welche Software bietet sich für mein Projekt an?

Als Fan von Photoshop liegt es für mich nahe, dessen 3D-Komponente zu nutzen. Wie beginnen? Ich versuche an meine letzten 3D-Modellierungen anzuknüpfen. Dank meiner Ordnungsstruktur in Lightroom Classic finde ich die Datei, mit der ich Schattenwürfe für eine Fotomontage simuliert hatte.

Schattenwurf für Baum

Meistens male ich die Schatten so ein, dass sie ungefähr passen. Wenn sie aber im Bild sehr auffällig sind, versuche ich sie genauer zu konstruieren. Die 3D-Schattensimulation war bei dem Bild „Im Lauf der Zeit“ eine gute Hilfe.

Im Lauf der Zeit / 2013

Ich vollziehe die Schritte für die Erstellung des Modells in Photoshop 3D nach. Das geht ganz gut. Offensichtlich hat sich in der 3D-Komponente nicht viel geändert.

Zunächst ist das sehr komfortabel für mich. Aber dann zeigt sich, dass sich Adobe anscheinend um die 3D-Funktionen in Photoshop in den letzten Jahren kaum noch gekümmert hat. Die Komponente funktioniert zwar einigermaßen, scheint aber auf dem Abstellgleis zu sein und stürzt bei meinen weiteren Gehversuchen häufiger ab. Ich finde weder neuere Dokumentationen noch aktuelle Tutorials.

Stattdessen drängt sich auf den Websites Adobe Dimension auf. Es wird seit 2017 angeboten und kostet 24 €/Monat. Damit kann man fertige Teil-Motive schnell zu einem neuen Design kombinieren. Aber die Erstellung von komplexeren 3D-Modellen suche ich vergeblich. In diesem Fall war es also nichts mit Photoshop & Co.

Bei meinen Recherchen zu einem 3D-Modellierungsprogramm finde ich Cinema 4D. Es scheint der Platzhirsch zu sein, der aber über Tausend Euro kostet.

Da ist die für den nicht-kommerziellen Einsatz kostenlose 3D-Grafiksoftware SketchUp schon interessanter. Im Jahr 2012 verkaufte Google das Programm an Trimble Navigation, die es über eine Browser-Schnittstelle anbietet. Vor einem Download müsste ich mich jedoch mit meinen Daten anmelden. Ich bezahle nicht gern mit meinen persönlichen Daten. Außerdem befürchte ich bei diesen Geschäftsmodellen von Privatunternehmen, dass sich solche „kostenlose“ Angebot schnell ändern können.

Bei der GPL-lizensierten freien Software Blender muss ich mich für den Download nicht anmelden. Die mächtigen Funktionen zur Modellierung, Bildsynthese und -bearbeitung beeindrucken mich. Im Internet finde ich viele positive Erfahrungsberichte. Ich entschließe mich daher, meine 3D-Versuche mit Blender zu starten. Im nächsten Beitrag berichte ich über meine ersten Erfahrungen mit dem Programm und auch über die Probleme, die sich durch die unübersichtliche Benutzeroberfläche ergeben (zum Beitrag).

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