Making-of einer Fotomontage –
Stock-Bilder in freien Fotoprojekten nutzen (2)

12.12.2018    

Im letzten Beitrag hatte ich beschrieben, wie ich meine Vorstellungen vom Bild skizzierte und im Adobe-Stock zwei passende Fotos aussuchte. Als Hintergrund wählte ich ein eigenes Foto vom Meer vor Sardinien.

EntwurfFotos: ©Christian Maurer -, ©Robert Kneschke - stock.adobe.com; L.WieseMontage: L.Wiese

Entwurf
Fotos: ©Christian Maurer -, ©Robert Kneschke – stock.adobe.com; L.Wiese
Montage: L.Wiese

Bevor ich die drei Montageteile zum Bild zusammenfüge, mache ich einen Entwurf. Damit vermeide ich grundsätzliche Fehler, die ich zeitintensiv korrigieren müsste. Im Entwurf kann ich schneller ändern. Ich scanne die Skizze ein und verwende sie in Photoshop in einer Ebene als Vorlage. Das junge Mädchen und den Papagei lege ich mit eigenen Ebenengruppen darüber. Um die Gesamtwirkung abschätzen zu können, füge ich den Hintergrund ein.

Was mir bei der Bilderrecherche nicht aufgefallen war, wird jetzt deutlich. Nachdem ich die Gesprächspartner in der Größe angeglichen und auf Augenhöhe gebracht habe, erkenne ich, dass das Federkleid des Papageis unten unvollständig ist. Ich könnte zwar einen anderen Ausschnitt wählen, dann würde ich aber das Gesicht der jungen Frau zu sehr beschneiden müssen.

Damit stellt sich mir die typische Frage, die sich mir bei Montagen schon häufig stellte: Weitersuchen oder das vorhandene Foto anpassen? Ich glaube nicht, dass ich im Stock ein wesentlich geeigneteres Foto finde. Also werde ich den Körper des Papageis nach unten erweitern. Soweit der Entwurf, das Bild müsste sich recht gut realisieren lassen.

Ich importiere die Stock-Bilder in voller Auflösung und montiere die drei Fotos wie im Entwurf erprobt. An die schwierigste Aufgabe gehe ich zuerst. Die roten Federn lassen sich einigermaßen mit Stempel und Pinsel erweitern. Mit den von mir hinzugefügten grünen Flügelfedern bin ich nicht ganz zufrieden. Sie wirken zu regelmäßig und damit künstlich. Ich wende mich erstmal den anderen Teilen des Bildes zu. Der Blickkontakt steht im Zentrum und auf den soll der Betrachter fokussieren. Die Struktur der grünen Federn kann ich ja später noch verbessern.

Gedankenaustausch mit PapageiFotos: ©Christian Maurer -, ©Robert Kneschke - stock.adobe.com; L.WieseMontage: L.Wiese

Gedankenaustausch mit Papagei
Fotos: ©Christian Maurer -, ©Robert Kneschke – stock.adobe.com; L.Wiese
Montage: L.Wiese

Um einen glaubwürdigeren Blick zu erreichen, drehe ich die Pupille des Papageis etwas nach vorn. Bei der jungen Frau übermale ich die Glanzstellen auf Lippen und Wange, damit ihr Gesicht zum diffusen Licht des Papageis passt. Auch Helligkeit und Farbtemperatur stimme ich für ein harmonischeres Bild ab. Ich füge in die Ebenengruppen des Papageis und der Frau entsprechende Eistellungsebenen ein und nähere mich so schrittweise dem Zielbild. Weitere Anpassungen folgen nach dem ersten Ausdruck. Der zweite Ausdruck passt.

Die rote Farbe ist ein verbindendes Element in dem Bild. Trotzdem prüfe ich die Wirkung der Schwarzweiß-Variante.

Gedankenaustausch mit Papagei #1Fotos: ©Christian Maurer -, ©Robert Kneschke - stock.adobe.com; L.WieseMontage: L.Wiese

Gedankenaustausch mit Papagei #1
Fotos: ©Christian Maurer -, ©Robert Kneschke – stock.adobe.com; L.Wiese
Montage: L.Wiese

Die gefällt mir auch nicht schlecht. Aber aus meiner Sicht ist das Farbbild eindeutig besser. Das war bei dem Bild aus den letzten drei Blogbeiträgen anders. „Zwiegespräch mit Löwe“ wirkt in der Schwarzweiß-Fassung stimmiger.

Die Serie mit Mensch und Tier in intensivem Blickkontakt besteht aus acht Bildern. Vom ersten Bild, auf dem sich ein Mann und ein Löwe anschreien, bis zum letzten Bild mit dem einträchtigen Blick zwischen einer Frau und einem Papagei wandelt sich die Stimmung von Aggression zu Harmonie. Es kann doch kein Zufall sein, dass das einzige Bild mit einer Frau das friedlichste ist?

Übrigens: War da noch was mit der zurückgestellten Verbesserung der Struktur bei den grünen Flügelfedern? Ich muss gestehen, dass ich daran nichts mehr geändert habe. Der Betrachter interessiert sich für die Hauptaussage im Zentrum des Bildes. Die Federn am Rand sind nicht so relevant. Oder?

Beitrag kommentieren