Kuriose Fundstücke –
Schildertexte und mehr (6)

06.09.2017    

Die bereits etwas in die Jahre gekommene Infotafel verkündet stolz, dass auf dem Lande einiges los ist.

Feste auf dem Land

Feste auf dem Land

Ein Volksfest über fast eine Woche und zusätzlich ein Wald- und Weinfest. Die drei Orte, in denen die Feste veranstaltet werden, liegen in einem Dreieck zwischen Erding, Dorfen und Hohenlinden. Sie sind maximal 20 km voneinander entfernt. Ich mache im Mai 2008 eine Radtour von der Stadt Erding aus durch die östlich gelegene Festzone.

Es sieht fast so aus, als ob die Landbevölkerung ausschließlich an den Festen interessiert ist. Ich schätze, dass es für offizielle Mitteilungen wohl etwas repräsentativere Infotafeln gibt, z. B. für die Nachrichten aus dem Gemeinderat. Mein Interesse ist geweckt. Ich schaue mir die Plakate mal etwas genauer an.

Die Freiwillige Feuerwehr Hohenlinden lädt zur Festwoche. Es beginnt standesgemäß bayerisch mit dem Salut der Böllerschützen. Die Mitglieder der Feuerwehr, die auf dem Lande eine sehr starke Stellung haben, bieten für die ganze Familie einen Festzeltbetrieb. An die Senioren ist auch gedacht. Es gibt einen Nachmittag speziell für sie. Ja, und die Jugend? Sie geht abends poppig-rockig auf der Tanzfläche ab.

Das Waldfest wird von einem Schützenverein angeboten. Er trägt den traditionellen Namen „Treu Bayern Kirchasch“. Die ländliche Festlichkeit findet in dem kleinen Weiher Untermailling statt. Der Termin überschneidet sich mit dem Volksfest in Hohenlinden. Da die Plakatkleber nicht mehr genügend Platz auf der Tafel hatten, waren sie wohl am Grübeln, welches Plakat sie überkleben. Sie haben sich für einen Kompromiss entschieden und schädigten die Isener Blaskapelle stärker als die Feuerwehr in Hohenlinden. Mit der Feuerwehr legt man sich nicht so gern an. Einige Wochen später findet in Isen ein Weinfest statt. Als Attraktion hat die Blaskapelle Isen den Europameister der Blasmusik eingeladen.

Man gewinnt den Eindruck, dass die Landbevölkerung in Bayern auch heute noch recht gut in ein gemeinsames Dorfleben integriert ist. Für mich ist das nichts. Ich brauche die Anonymität der Großstadt mit ihrem vielfältigen Angebot. Der Landkreis München bietet mir einen guten Kompromiss zwischen Stadt und Land.

Bei unserer Reise durch Cornwall wurden die Wege nach Westen hin immer enger. Unser kleiner Leihwagen war dafür zwar sehr geeignet, ich musste mich aber sehr darauf konzentrieren, die Ausweichstellen auf den einspurigen Straßen gut zu disponieren. Häufig ging es trotzdem rückwärts zur nächsten Ausweiche.

Schiffswracks

Schiffswracks

Gefährlicher ist es an der Küste von Cornwall. Das wurde uns drastisch vor Augen geführt, als wir am Lizard Point, dem südlichsten Punkt von England, Karten als Touristenattraktion sahen, in denen hunderte Schiffswracks genau verzeichnet sind. Es ist genau angegeben, ob es sich um Segel- oder Dampfschiffe für private oder militärische Nutzung handelt. Sogar U-Boote sind aufgeführt. Die Liste der Unglücke reicht zurück bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts. Für 8 Pfund hätten wir die Map in DIN-A3-Größe erwerben können. Über die Reise nach Cornwall habe ich in einem eigen Blogbeitrag berichtet (zum Beitrag).

Vielleicht waren bei den unzähligen verunglückten Seeleuten einige dabei, die eine verzweifelt Nachricht in einer Flasche absetzen konnten. Die Magie der Flaschenpost ist auch heute noch ungebrochen.

Flaschenpost

Flaschenpost

Das Foto zeigt eine sehr gut erhaltene Nachricht mit einem Hilferuf der besonderen Art. Ein 12-jähriges Mädchen schreibt: „MIR IST ES SEHR LANGWEILIG!“. Und das trotz der vielen Hobbys: Klavierspielen, Skifahren, Fotografieren, Schlittschuhfahren, Schwimmen, Tanzen (Hip Hop), Komponieren, Computerspielen usw. Die Schreiberin geht auf ein Gymnasium in München. Der Finder soll bitte Adresse, Telefonnummer, Datum und Hobbys angeben. Und: „Das Alter wär‘ auch nicht schlecht zu erwähnen.“. Unter PS: „Schicken Sie mir doch auch ein Foto von ihnen mit?“

Die Flaschenpost ist eines der kuriosen Fundstücke im Wasserkraftwerk Neufinsing. Bei einer Führung sehen wir die unterschiedlichsten Dinge, die vor dem Rechen des Wehrs aus dem Wasser gefischt wurden. Dazu gehören ein aufgeschweißter Tresor, ein uralter Stahlhelm und ein verrosteter Revolver.

Da ist mir die Flaschenpost noch am liebsten. Besser kann man die Gemütslage eines 12-jährigen Mädchens im Jahr 2000 nicht aufzeigen. Das Internet war noch nicht so verbreitet.  Zu dieser Zeit hatte erst ein Drittel der Kinder die Möglichkeit, das Internet zu nutzten. Auch Handys waren noch nicht für alle verfügbar. Das Mädchen hatte eine Festnetznummer angegeben (Tel.-Nr. und Adresse sind von mir verändert).

Einen weiten Weg hatte die Alternative zum Internet nicht zurückgelegt. Von der Isar in der Nähe des Münchner Zentrums bis zum Kraftwerk in Unterfinsing schwamm die Flasche eine Strecke von ca. 20 km. Bereits nach 5 km musste sie sich am Oberföhringer Kraftwerk entscheiden:  das alte Flussbett der Isar oder lieber der Kanal? Im alten Flussbett hätte sie wahrscheinlich eine wesentlich weitere Reise gemacht. Aber dann wäre mir ja die interessante Flaschenpost entgangen.

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