Kategorie: Reisen

Bin ich ein Fotobild-Designer oder ein Naturfotograf?

30.11.2017    

Die Metallgestänge wirken aus der Ferne wie ein riesiges Dach. Darauf müsste man nur noch eine Plane montieren und fertig wäre eine gigantische Werkshalle. Aus der Nähe sehe ich dann Obstbäume unter den Metallkonstruktionen, die wie Kleiderbügel aussehen. So habe ich mir das Alte Land bei Hamburg nicht vorgestellt. Die Bilder auf den Ansichtskarten versprechen immer ein Blütenmeer von Obstbäumen. Wir sind wohl Ende April etwas zu früh und zu der Jahreszeit ist die Natur vor lauter Technik kaum zu erkennen.

Kleiderbügel

Kleiderbügel

Ich fotografiere diese merkwürdigen Kleiderbügel, die wohl später mit Netzen bespannt werden, um Vögel fern zu halten. Eines der Fotos reiche ich beim Licher Fotopreis „Mensch und Natur“ ein. Eine wichtige Bedingung bei dem Wettbewerb ist die Einschränkung der digitalen Bearbeitung auf „übliche Qualitätsoptimierungen“. Damit werden die extremen Anforderungen der dogmatischen Naturfotografen zwar nicht erreicht, aber die Regeln schränken meine übliche Arbeitsweise doch ein. Ich füge mich den Bedingungen, um an dem renommierten Wettbewerb teilnehmen zu können. Bin ich damit fast ein Naturfotograf oder doch  eher ein Fotobild-Designer?

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Ich bin ein fauler Fotograf –
Bildmontagen gefallen mir besser

04.10.2017    

Von den bereitgestellten zehn Bildern soll ich mindestens fünf verwenden. Dieses verlockende Angebot kommt mir gerade recht. Bei den Kakteen gehe ich in die Vollen. Statt einen von zehn Exemplaren nutze ich alle. Außerdem baue ich den älteren Herren, die Holzmaserung, die Wellenstruktur und den Himmel in das Bild ein. Aus meinem eigenen Portfolio stammt nur der ausgetrocknete Boden.

Klimawandel

Klimawandel

So gefällt es mir. Ich muss gar nicht viel fotografieren, mir werden die meisten Fotos für die Montage zur Verfügung gestellt.

Wer war so nett und schenkte mir die Fotos? Welche Probleme musste ich lösen, um zu einem stimmigen Ergebnis zu kommen?

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Kuriose Fundstücke –
Schildertexte und mehr (6)

06.09.2017    

Die bereits etwas in die Jahre gekommene Infotafel verkündet stolz, dass auf dem Lande einiges los ist.

Feste auf dem Land

Feste auf dem Land

Ein Volksfest über fast eine Woche und zusätzlich ein Wald- und Weinfest. Die drei Orte, in denen die Feste veranstaltet werden, liegen in einem Dreieck zwischen Erding, Dorfen und Hohenlinden. Sie sind maximal 20 km voneinander entfernt. Ich mache im Mai 2008 eine Radtour von der Stadt Erding aus durch die östlich gelegene Festzone.

Es sieht fast so aus, als ob die Landbevölkerung ausschließlich an den Festen interessiert ist. Ich schätze, dass es für offizielle Mitteilungen wohl etwas repräsentativere Infotafeln gibt, z. B. für die Nachrichten aus dem Gemeinderat. Mein Interesse ist geweckt. Ich schaue mir die Plakate mal etwas genauer an.

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Fotofestival „horizonte zingst“–
Nutzen für Fotografen oder Fotoindustrie?

14.06.2017    

Überall laufen Fotografen herum. Meist haben sie Kameras im Anschlag und auch noch einen schweren Rucksack auf dem Rücken. Einige sind sogar mit Stativ ausgerüstet, meist solche mit drei Beinen oder mit der einbeinigen leichteren Variante.

Seebrücke Zingst

Seebrücke Zingst

Die Fotografen schauen sehr konzentriert, wie immer auf der Suche nach dem besonderen Augenblick. Wenn es sich nicht gerade um Porträtfotografen handelt, kennt man ja ihr typisches Verhalten als einsamer Jäger auf der Pirsch.

Die Stimmung wirkt aber insgesamt beschwingt und aufgeräumt. Die Veranstalter haben den Ort ja auch mit Hilfe der Fotoindustrie in einen Ausnahmezustand versetzt. Die Seebrücke ist als Zentrum des Geschehens mit vielen Fahnen geschmückt. Gerade als ich die Szene fotografiere, geht die Tauchgondel, die sonst unangefochtene Attraktion für die Touristen, verschämt in die Tiefe.

Das Fotofestival bietet Ausstellungen, Workshops, Multivisionsshows, Wettbewerbe, einen Fotomarkt und abends sogar Beachpartys. Toll!

Ich nutze das reichhaltige Angebot, aber bringt es mich auch weiter?

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Kuriose Fundstücke –
Schildertexte und mehr (4)

13.05.2017    

Was ist verboten? Um welche Wassergrenze geht es? Warum wird die Navigation nicht gemeldet?

Warnschild in Castelsardo

Warnschild in Castelsardo

Wir grübelten vor diesem Schild in Castelsardo an der Nordküste von Sardinien, aber wir verstanden weder die deutsche noch die englische Übersetzung. Hatte sich hier ein vermeintlich Sprachkundiger versucht oder vertrauten die italienischen Schildermacher einem Übersetzungsprogramm?

Das Schild stand an einem Fußweg, der über eine steile Treppen zum Wasser führte. Unten am Strand konnten wir die Fragen sowieso nicht klären, weil der Abstieg gesperrt war. Wir wollten ja ohnehin in die Altstadt, die in ca. 100 Meter Höhe direkt über dem Wasser lag. Von dort bot sich uns ein herrlicher Ausblick auf das Mittelmeer und die grünen Hügel der wunderschönen Insel. Im Mai hatte die Sonne die Landschaft noch nicht ausgedörrt.

Von oben sahen wir aber auch den gesperrten Weg zum Wasser. Wir tüftelten unbewusst weiter an dem Sprachquiz und entschieden uns dann für folgende Bedeutung: „Der verbotene Bereich des Wassers ist nicht ausgeschildert.“ Aber wem oder was wird etwas verboten? …

Ich hatte bereits in einigen Beiträgen über kuriose Texte berichtet. Der letzte handelt von Schildern für Verkehrsteilnehmer (zum Beitrag). In diesem Beitrag folgen weitere Warnschilder.

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Die Weltmaschine des Franz Gsellmann –
Wimmelbilder fotografieren (2)

08.03.2017    

In einer ländlichen Gegend der Steiermark nahe der slowenischen und ungarischen Grenze geht ein rechtschaffender Landwirt jeden Sonntag in die Kirche und danach ins Wirtshaus. Dort liest er in einer Regionalzeitung den Bericht über die Weltausstellung im Jahr 1958 in Brüssel.

Soweit ist die Welt noch in Ordnung. Dann sieht er eine Abbildung des Atomiums. Das Modell der Eisen-Kristallstruktur muss ihn wie ein Schlag getroffen haben.

Franz Gsellmann; Foto Gery Wolf

Franz Gsellmann; Foto Gery Wolf

Franz Gsellmann, der bisher kaum über die Oststeiermark hinaus gekommen war, reist mit dem Zug nach Brüssel, bestaunt das Atomium, zeichnet es ab, kauft sich ein Modell des Bauwerks und fährt zurück, ohne zu übernachten. Zu Hause beginnt er ein geheimes Werk in der Stube seines verstorbenen Vaters. Niemand erfährt, was er dort treibt. Acht Jahre lang gestattet er selbst seiner Familie keinen Blick auf seine Tüftelarbeit.

Im letzten Blog-Beitrag berichtete ich über meine erste Besichtigung der Weltmaschine (zum Beitrag). Drei Jahre später besuchte ich erneut die Weltmaschine, diesmal zusammen mit meiner Frau. Ich hatte mir überlegt, wie ich das filigrane Werk als Wimmelbild fotografieren wollte. Da machte die Kamera aber nicht mit. Sie versagte mir ihren Dienst.

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Die Weltmaschine des Franz Gsellmann –
Wimmelbilder fotografieren (1)

22.02.2017    

„Die Weltmaschine kann man gar nicht fotografieren.“ Dieser Gedanke geht mir immer wieder durch den Kopf. Ich versuche in einem engen Raum, ein farbenprächtiges kurioses Wunderwerk zu fotografieren. Und wenn die verwirrende technische Konstruktion beginnt, ihren wilden Tanz aufzuführen, kann man sie schon gar nicht mehr mit der Kamera erfassen. Wie soll ich diese wuselnden Bewegungen, das Drehen, Schütteln, Heben und Fallen, wiedergeben?

Weltmaschine; Foto: Gery Wolf

Weltmaschine; Foto: Gery Wolf

Dazu kommen unterschiedlichste Leuchteffekte, glimmende, funkelnde und blinkende Lichter in den verschiedensten Farben. Und dann gibt es auch noch eine Geräuschkulisse, die man schon gar nicht auf ein Foto bannen kann. Das fröhlich bemalte Prachtstück knarzt, summt, klappert und pfeift aus allen Richtungen.

Im Fotokurs hatte ich gelernt, dass ich das Motiv deutlich vom Hintergrund absetzen soll. Das will mir bei der Weltmaschine von Franz Gsellmann nicht gelingen. Daher zeige ich hier erst mal ein offizielles Pressefoto.

Aber auch bei diesem Foto handelt es sich um ein Wimmelbild. Doch eines nach dem anderen. Wie kam ich zur Weltmaschine?  Und was hat es mit einem Wimmelbild auf sich?

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